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Brüssel

Klassenfahrt Brüssel - Straßburg

Vorwort: Sonntag 20.9.2009

Um 21 Uhr startete vor unserem vertrauten Lichtenfelsgymnasium die Klassenfahrt nach Brüssel. Nachdem alle in bequemer Kleidung, bereit für 14 Stunden Busfahrt, eingetroffen waren und es sich auf ihren Plätzen so gut als möglich gemütlich machten, rollte der Bus von Retter Reisen Richtung Belgien, Antwerpen, los.

Brüssel

Was erwartet man sich von Brüssel, wenn man zum ersten Mal hinfährt? Eine Stadt, in der sich der Hauptsitz der EU, das Europäische Parlament, befindet. Eine Stadt, die überfüllt von Touristen ist, die das Atomium, die Belgische Schokolade und den Grand Place sehen wollen. Die zweisprachige belgische Hauptstadt Brüssel, die auf französisch Bruxelles und auf flämisch Brussel genannt wird. Vielleicht denkt man noch an eine große Einkaufsstraße und die flämische Küche.

Aber über 50% Immigranten und Gastarbeiter, endlose Armutsviertel, heruntergekommene Wohnviertel, die gleich nach dem Zentrum, in dem die gut verdienenden Abgeordneten der EU wohnen beginnen, Schmutz und Gestank erwartet man nicht.

Nachdem wir, alle noch sehr müde von der halbdurchwachten Nacht, in Brüssel waren, stieg eine Stadtführerin ein, die uns während der Fahrt über das Mikrofon die wichtigsten Gebäude, Daten, Personen, Plätze und Witze zeigte und erzählte. Bei dem Atomium, das seit der Weltausstellung 1958 zum Wahrzeichen Brüssels erklärt worden ist, konnten wir kurz Austeigen um zu fotografieren.

Nach der Führung, als wir unser Hotel suchten, erlebten wir unseren ersten Schock. Das Hotel war umgeben von heruntergekommenen Häusern und wir dachten, in einem besonders schlechten Viertel in Brüssel gelandet zu sein. Der Bus musste mit abenteuerlichen Manövern in einen abgesperrten Parkplatz gestellt werden und dann gingen wir, auf alles Mögliche gefasst, ins Hotel. Auch hier ließ die Überraschung nicht auf sich warten. Im Vergleich zu dem äußeren Erscheinungsbild samt Umgebung waren wir von dem Innenleben des drei Sterne Hotels positiv angetan.

Anschließend an den anstrengenden doch erlebnisreichen Tag spazierten wir zum Grand Place um in der sich dort befindenden „Fressmeile“ Abend zu essen. Wir spalteten uns in kleinere Gruppen auf der Suche unseren Gaumen etwas Neues zu bieten.

Wenn man die Straße, in der sich die Fressmeile befand, betrat, wurde es sogleich lauter, enger und es roch überall nach Essen. Die Kellner bemühten sich sehr die Nachsaison noch zu nützen und ließen einen kaum vorbeigehen, ohne dass man sich in sein jeweiliges Lokal setzte. Von allen Seiten hörte man bonsoir, good evening, guten Abend und vielleicht noch ein paar Sprachen. Doch egal für welches Lokal man sich entschied, die Rückmeldungen waren überall ähnlich. Wenn man sich für ein Menü entschied, konnte man relativ günstig essen, bekam jedoch hauptsächlich Spezialitäten wie Schnecke, Hase, Muscheln oder Hummer. Natürlich gab es unter uns auch einige, ich zähle mich selbst dazu, die diese Gerichte verweigern und sich lieber etwas aus der mediterranen Küche aussuchen, die auf den Speisekarten überall vertreten ist. Als wir uns dann schließlich zu einen Tisch setzten und die Speisekarten aufschlugen, erwartete uns der nächste Schock: eine Pizza Margherita um 11,50 Euro!?! Nach einem Urlaub in Italien, wo die besagte Pizza nur ein Drittel von diesem Preis kostet, lässt einen diese Nachricht die Haare zu Berge stehen.

Da es sich dann noch dazu um eine kleine Tiefkühlpizza handelte, beschlossen wir am nächsten Tag am Abend nur Waffeln zu essen. Nicht zu erwähnen, dass wir für einen halben Liter Wasser 4,25 Euro zahlten.

Am nächsten Tag besichtigten wir das EU Parlament, das in sehr schönen modernen gläsernen Gebäuden untergebracht ist. Die Führung, die wir von einer Assistentin der Frau Abgeordneten Dr. Ranner bekamen, war recht gut und informativ, doch leider konnten wir keine Plenarsitzung sehen, da gerade die Grüne Woche statt fand, weswegen die meisten Abgeordneten nicht hier waren. Was einem an der riesigen Anlage allerdings auffällt ist, wie unübersichtlich und undurchschaubar die europäische Bürokratie ist.

Nach der Besichtigung des Steirerhauses und einem Abstecher in eine belgische Schokoladenfabrik, hatten wir genügend Zeit um selbst die Innenstadt zu erforschen.

Bei diesem Spaziergang merkten wir, dass auch hier die Häuser und Gegend schlechter wurden, sobald man aus dem historischen Zentrum draußen war. Die großen Straßen konnte man etwa mit der Annenstraße bei uns in Graz, nur noch schlimmer, vergleichen.

Als ich wieder zu Hause war, habe ich auf einem Stadtplan auch nachgeschaut, wo sich unser Hotel befand und musste feststellen, dass es ein Bezirk angrenzend an das historische Zentrum war und er trotzdem in einem so schlechten Zustand war. Allgemein würde ich sagen, dass Belgien mehr Einwanderer aufgenommen hat, als es sich für die Arbeitsplätze leisten konnte. Jetzt ist etwa jeder Zweite in Brüssel zugewandert und Brüssel muss darum kämpfen, nicht zu verarmen und zu verkommen.

Straßburg - Essay

Ein etwa 140 Meter hoher Kirchturm ragt über die kunstvollen Steildächer, neben einer grünen Allee fließt sanft rauschend die Ill vorbei. Alte Fachwerkhäuser, die in tadellosem Zustand gehalten werden, zieren die Fußgängerzone in der Altstadt. Wenn man dadurch verführt eine Schifffahrt auf der Ill wagt, wird das gierige Touristenauge reichlich belohnt. Auch das Ohr kommt durch den in sämtlichen Sprachen verfügbaren Audioguide nicht zu kurz. Vom Fluss kann man aus einer günstigen Perspektive das frühere Gerberviertel, alte historische Villen und, wenn man durch die Schleuse ins neuere Viertel gehoben wird, auch den Sitz des Fernsehsenders ARTE, einige Einrichtungen der Europäischen Union und sogar den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte betrachten.

Wieder zurück im lieblich genannten „La Petite France“ muss man sich unbedingt am Münsterplatz satt sehen. Die eher schmalen und hohen Fachwerkkünste im alemannisch-süddeutschen Stil vermischt mit der imponierenden rosa Sandsteinfassade des Liebfrauenmünsters bilden einen unbeschreiblichen Anblick, der einer Europahauptstadt allemal würdig ist. Besonders beträchtlich ist auch die Menge an originalen gotischen Glasfenstern, die im Münster zu bewundern sind, durch die von den bunten Gläsern gebrochene Lichtstrahlen in der Kirche umher tanzen. Im Glasfenster hinter dem Hochaltar befindet sich auch ein Stückchen Europa in Form der europäischen Fahne. Natürlich ist diese erst später entstanden, vorgeschlagen von einem Juden, der für die EU die 12 Sterne als Zeichen des Friedens wohlbedacht passend gefunden hat. Ein Seitenschiff des großen gotischen Gotteshauses wird von einer sagenhaften Astronomischen Uhr mit monströsen Ausmaßen beherrscht. Sie wurde 1574 vollendet und war bis 1789 in Betrieb. 50 Jahre später wurde Jean-Baptiste Schwilgué mit der Renovierung der riesenhaften Uhr beauftragt. Er konstruierte ein völlig neues Uhrwerk[1], dessen Funktionen einmalig in der Welt sind.

Des Weiteren kann man noch den alles überblickenden Kirchturm über 333 Stufen erklimmen. Wenn man so fit war und die Treppen bezwungen hat, kann man dann in luftigen Höhen den wunderbaren Ausblick über die Stadt genießen und sich von einem angenehmen, nach Erfolg schmeckenden Lufthauch erfrischen lassen. Danach muss man wohl oder übel die 333 Stufen auch wieder mit wackligen Knien hinuntersteigen.

Die Bewohner sind besonders freundlich und auch wenn man vorher vom braven Reiseführer gewarnt worden ist, dass es die ansässige Bevölkerung nicht gerne hört, wenn sie auf Deutsch angesprochen wird, bleiben sie dennoch stets höflich, auch wenn man kaum ein Wort auf Französisch über die Lippen bringt und erbarmen sich auf Deutsch weiter zu helfen.

Besonders lobenswert ist die Küche dieser Gegend. Während man sich in der zarten Dämmerung in der Nähe des Münsterplatzes zum Speisen niederlässt, bringen freundliche Kellner die schmackhafte Speisekarte. Bald darauf kann man sich schon den würzigen Geschmack des zerronnenen Münsterkäses auf der Zunge zergehen lassen, und die Augen werden freudig größer als der Magen, sodass man sich nicht nur an gelbgoldenen Pomme de Terre mit Münsterkäse sondern auch an einer leichten Tarte Flambee und anderen Köstlichkeiten satt isst.

Das war das französische Strasbourg, welches wir mit allen Sinnen erleben durften.

Riquewihr

Ein romantisches, altes Städtchen, liegt inmitten von saftig grünen Weinhügeln in der Region Elsass. Der Ort mit nur guten 1000 Einwohnern heißt Riquewihr, zu Deutsch Reichenweier. Er hat noch das original erhaltene Stadtbild aus dem 16. Jahrhundert und ist vielleicht eines der schönsten Dörfer Frankreichs.

Die Ursprünge dieses Dorfes reichen bis ins 6. Jahrhundert zurück, als ein Franke namens Richo ein Landgut in dieser Gegend gegründet hat.

Neben dem Weinbau spielt auch der Tourismus wirtschaftlich eine große Rolle für den Ort. Da der alte Stadtkern malerisch schön gehalten wird und es viele Spezialitätengeschäfte entlang der Hauptstraße gibt, verirren sich gerne und oft Touristen in diesen Ort.

Umgeben von den harmonischen Fachwerkhäusern steht der ebenfalls fachwerkverzierte Torturm Dolder, der gleichzeitig das Wahrzeichen des Städtchens ist.

Auch wenn wir dort nur einen kurzen Stopp gemacht haben, hat es einen sehr tiefen Eindruck hinterlassen, vor allem durch die Gepflegtheit und die Sorgfalt mit der die Altstadt betreut wird. In den kleinen Spezialitätengeschäften und bei den Käse- und Wurstständen hat der eine oder andere sich noch mit Souvenirs und Mitbringsel für zu Hause versorgt.

Colmar

Colmar ist die drittgrößte Stadt im Elsass und bezeichnet sich gerne als Hauptstadt des Weins. Neben ihrer gut erhaltenen Altstadt ist sie vor allem bekannt für ihre Museen. Ins besonders für das Musée d'Unterlinden in dem auch der Isenheimer Altar zu besichtigen ist. Das Museum zeigt eine relativ große Sammlung aus oberrheinischer Sakralkunst vom Mittelalter bis zur Renaissance.

Wir kamen gegen Mittag in diese Stadt und nachdem wir uns reichlich mit Essen beim Supermarkt versorgt hatten, marschierten wir ins Zentrum, da wir uns dieses berühmte Museum nicht entgehen lassen konnten.

Als alle mit Audioguids ausgestattet waren, konnte jeder, je nach Interesse, unterschiedlich schnell durch die Ausstellung sausen oder langsamer und gemütlich die gehörten Informationen mit den Werken verbinden.

Die Attraktion, der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, befand sich in einer ehemaligen Kapelle des Dominikanerinnen Klosters, in dem seit dem Jahre 1849 das Museum beherbergt ist. Der Altar stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist für Interessierte auf jeden Fall einen Abstecher wert.

Nach diesem kunsterfüllten Besuch konnten wir uns noch ein wenig in der Stadt umsehen und uns unsere Beine vertreten, bevor wir die lange Rückreise antraten.

Nachwort: Samstag 26.9.2009

Nach sechs erlebnisreichen, anstrengenden und schönen Tagen kamen wir zwanzig Minuten nach sieben Uhr (morgens!!) vor unserer trauten Schule wieder an. Dies war unsere letzte gemeinsame Klassenreise während unserer Schulzeit und ich glaube, diese Reise hat uns einiges an neuen Erfahrungen, Eindrücken und Wissen gebracht, doch als ich zu Hause war, legte ich mich als Erstes ins Bett und war froh, in nächster Zeit nicht mehr in einem Bussitz übernachten zu müssen.


[1]„Die Uhr zeigt die Erdbahn, die Mondbahn und die Bahnen der damals bekannten Planeten (Merkur bis Saturn) an. Am erstaunlichsten ist das Räderwerk, das in der Silvesternacht abläuft und das Basisdatum für die beweglichen Feiertage errechnet. Den Rekord für langsam drehende Zahnräder stellt wohl der Teil der Uhr auf, der die Präzession der Erdachse nachbildet – eine Umdrehung in 25.800 Jahren. Sie ist aber auch die einzige Uhr auf der ganzen Welt, die 13 Uhr schlägt.“ Von http://de.wikipedia.org/wiki/Straßburger_Münster

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